Ich habe es schon versprochen, hier kommt der Beitrag über den Winterdienst. Die Stadt Hannover hat diese Aufgabe an die AHA übertragen, den Zweckverband Abfallwirtschaft. Der sollte sich darum kümmern, dass der Schnee von den Straßen wegkommt.
Wie macht man sowas? Nun, zum einen hat man offenbar Fahrzeuge mit Schneeschiebern und dann noch Putzteams, die die schwierigen Stellen bearbeiten. Dank einer Anfrage der CDU im Bezirksrat habe ich sogar Zahlen: 35 große, 35 kleine und 70 mit “Putzteams” besetzte Fahrzeuge für Hannover. Und ich bin mir sicher, die fahren im Schichtbetrieb. Sollte eigentlich reichen. Und die Jungs arbeiten sicher hart und schieben massenhaft Überstunden. Meine Hochachtung!
Warum aber sieht man in Nebenstraßen wochenlang keinen Schneeräumer? Bei mir zu Hause habe ich den ersten Pflug ungefähr zwei Wochen nach dem ersten Schneefall gesehen, also Anfang Januar. Der hat ein klein bisschen Schnee weggeschoben, das meiste war ja schon gut flachgefahren, und dann ein klein wenig Splitt gestreut. Unglaublich sinnvoll, denn der Splitt drückt sich natürlich im Handumdrehen in die festgefahrene Schneedecke.
Wie geht der Winterdienst in Hannover also taktisch vor? Der Verdacht liegt ja nahe, dass es an der Organisation hapert. Ganz einfach: Man hat zwei Kategorien gebildet. Kategorie I sind Durchgangsstraßen, Brücken, Fußgängerüberwege, Zufahrten zu Feuerwachen und Krankenhäusern. Also alle wichtigen Stellen. Kategorie II ist der Rest, Wohnstraßen beispielsweise.
Wenn es schneit wird also erst einmal Kategorie I geräumt. Soweit noch nachvollziehbar. Aber nun kommts: Wenn es wieder oder weiter schneit, fängt man wieder von vorne an. Und um den Jahreswechsel herum hat es dauernd geschneit. Und deswegen haben die Jungs immer wieder von vorne angefangen. Und bis Kategorie II sind sie dann einfach nicht durchgekommen. Nur so kanns gewesen sein.
Und nun stelle ich mir mal ein Szenario vor, wie es in einem richtigen Winter geschehen kann: Es schneit immer mal wieder, über einen längeren Zeitraum, mitunter auch kräftig. Und es kommen nicht wie in diesem Winter bisher nur schlappe 22, sondern in der Summe 40 Zentimeter Schnee zusammen. Hats schon gegeben, das letzte Mal vor 31 Jahren. Da waren es über 50 (hier der Beweis).
Da die Räumfahrzeuge durch die immer neuen Schnefälle nur in Kategorie I herumräumen, bleibt der Schnee in einem solchen Fall in der Zone II komplett liegen. Ab 30 Zentimeter fährt dann dort kein Auto mehr, dafür reicht nämlich die Bodenfreiheit nicht. Da helfen auch keine Schneeketten, sondern nur größere Räder oder eben Raupenantriebe. Erst zwei Wochen nach Ende der Schneefälle erreichen die Räumtrupps dann irgendwann die Nebenstraßen. Solange ist eben Selbsthilfe gefragt. Vielleicht kann man ja vom Nachbarn eine Pistenraupe leihen, wenn einer zum Arzt muss.
An der Hauptstraße zu parken verspricht da auch keine wirkliche Erleichterung. Denn der Schnee wird in dieser Stadt ja nicht abgefahren, sondern am Straßenrand zusammengeschoben. Das Auto steht dann hinter einer Schneemauer, die von ihrer Höhe her locker über die Fensterunterkanten reicht. Das Zeug ist dann ziemlich hart und schwer, da kommt man auch nicht mehr mit der Schneeschippe durch. Ich empfehle eine Schaufel mit Frankfurter Blatt, wie man sie zum Sandschippen verwendet. Wenn der Schneepflug durch ist, braucht man die später auch in den wieder passierbaren Nebenstraßen.
Den Winterdienst haben sie offenbar schon kaputtgespart. Nächsten Winter sehen wir dann, was sie bei der AHA und der Stadtverwaltung daraus gelernt haben. Ich nehme noch Wetten an, dass das wieder genauso läuft, wenn es wieder genauso viel Schnee gibt.
5. Februar 2010 um 20:01 |
Der Hannoversche Winterdienst ist ja ein Thema für sich. Wenn es übrigens noch ein paar Tage mehr schneit werden die Streusalzvorräte der Stadt erschöpft sein. Das wird dann wirklich interessant.
28. Februar 2010 um 22:36 |
[...] Wunder, dass ver.di in Hannover lieber den Nahverkehr bestreikt. Denn beim Winterdienst wäre es niemanden aufgefallen. Aber ob das VEB Transportkombinat Hannover (formerly known as üstra) bei winterlichem Wetter [...]