Ein wenig an den real existierenden Sozialismus erinnert fühlt man sich beim neuesten Ukas der Stadtverwaltung für Misburg: Um die Marktbeschicker zu schützen, dürfen die Landwirte der Region an Samstagen zwischen 8 und 13 Uhr ihre Waren auf öffentlichem Gelände 250 Meter um den Markt herum nicht mehr verkaufen meldet die Neue Presse.
Wie kann man sich derartig ins Bein schießen? Meyers Garten, nicht nur der dortige Wochenmarkt, ist als Gewerbestandort harter Konkurrenz ausgesetzt. Jedes attraktive Angebot, das dort fehlt, vergrault potenzielle Kunden. Wenn die mal weg sind, bleiben sie weg, auch wenn man irgendwann Fehler einsieht und korrigiert.
Da ist es zu verschmerzen, wenn mal ein Kunde ein Kilo Spargel oder ein Pfund Erdbeeren nicht auf dem teuren Wochenmarkt kauft, sondern billig beim Erzeuger. Vielleicht geht er dann noch zum Friseur, trinkt einen Kaffee und schaut beim Drogeriemarkt und im Kaufhaus vorbei. Wenn man ihn aber derart ärgert, gibt er sein Geld womöglich gleich komplett woanders aus. Und gerade Samstag ist der umsatzstärkste Tag der Woche, da tut ein prozentualer Verlust besonders weh.
Aber vielleicht baut die Stadtverwaltung dann Kontrollposten an den Ausfallstraßen aus Misburg auf und filzt alle nach Bargeld und Kreditkarten, damit die Misburger nicht woanders einkaufen gehen? Das wäre der nächste logische Schritt zur Steuerung des Einkaufsverhaltens ihrer Bürger. Das Verkaufsverbot ist eine klare Fehlentscheidung und gehört schleunigst entsorgt, bevor es Schaden anrichtet. Eine Sondernutzungssatzung kann man auch ändern.
5. August 2010 um 09:23 |
Der Betreiber der Erdbeerbude stand in den Wochen nach Erscheinen des Artikels übrigens sonnabends auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf einem privaten Parkplatz.